Im Rahmen der 19. Konferenz der Vertragsstaaten des UN-Behindertenrechtsabkommens in New York war auch das Kompetenzzentrum Inklusive Bildung Sachsen-Anhalt vertreten. Ein Teammitglied des KIB nahm an einem Side-Event teil, zu dem die deutsche Bundesregierung gemeinsam mit der Stadt New York und dem Goethe-Institut New York eingeladen hatte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Kunst und Kultur barriereärmer gestaltet werden können und welche Voraussetzungen es braucht, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am kulturellen Leben teilhaben und es aktiv mitgestalten können. Unter dem Titel „Kunst und Barrierefreiheit: Kulturelle Teilhabe und Inklusion in der Kunst“ diskutierten internationale Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Kultur und Selbstvertretung über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und gute Beispiele.
Auf dem Podium sprachen unter anderem Nisha Agarwal, Behindertenbeauftragte der Stadt New York, Dr. Muhannad Alazzeh, Generalsekretär des Hohen Rates für die Rechte von Menschen mit Behinderungen des Haschemitischen Königreichs Jordanien, sowie Prof. Dr. Annette von Kalckreuth aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Moderiert wurde die Veranstaltung von Lachi, Künstlerin und Fürsprecherin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Ein Gedanke aus der Diskussion knüpft besonders eng an die Arbeit des KIB an. Lachi machte deutlich, dass Sensibilisierung für Barrierefreiheit und Teilhabe nur dann glaubwürdig gelingen kann, wenn Menschen mit Behinderungen selbst zu Wort kommen und ihre Eigenexpertise einbringen. Sinngemäß sagte sie:
Wer über Barrierefreiheit und Teilhabe sensibilisieren will, braucht die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen. Eigenexpertise ist dabei kein Zusatz, sondern Voraussetzung.
Für das KIB war dieser Gedanke besonders anschlussfähig. Die Aussage von Lachi berührt einen Kern unserer Arbeit: Teilhabe gewinnt an Qualität, wenn Menschen mit Behinderungen nicht nur beteiligt, sondern als Expert*innen in eigener Sache ernst genommen werden. Der internationale Austausch in New York hat damit noch einmal bestätigt, wie wichtig Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit ist, die auf Eigenexpertise basiert.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand ein Konzert vom Berliner Rapper Graf Fidi statt, der bereits 2023 beim 2-jährigen KIB-Jubiläum in Stendal zu Gast war. Vorab sprach er mit Lachi auf der Bühne über Kunst, Sichtbarkeit und Teilhabe. Sein Auftritt machte noch einmal erfahrbar, welche Bedeutung kulturelle Räume haben, wenn Menschen mit Behinderungen selbst sichtbar werden, künstlerische Perspektiven einbringen und gesellschaftliche Debatten mitgestalten.
Auch abseits des offiziellen Programms entstanden wichtige Gespräche. Erfreulich war die Einladung des Bundesbeauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, zu einem gemeinsamen Essen am Sonntag. Auch dort ergab sich die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen rund um Inklusion, Barrierefreiheit und Teilhabe zu besprechen und neue Kontakte zu knüpfen.
Für das KIB war die Reise nach New York ein wichtiger Impuls und zugleich ein starkes Zeichen dafür, dass die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen gefragt sind: lokal, bundesweit und international. Die Gespräche haben gezeigt, dass inklusive Bildung, kulturelle Teilhabe und politische Mitgestaltung eng zusammenhängen. Sie alle brauchen Räume, in denen Menschen mit Behinderungen ihre Erfahrungen selbst einbringen und gehört werden.
Das KIB freut sich, die eigene Arbeit auch auf internationaler Ebene sichtbar gemacht und wertvolle Impulse für die weitere Arbeit in Sachsen-Anhalt mitgenommen zu haben.