Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe und KIB im Austausch zu mehr Barrierefreiheit und Teilhabe

Auf Einladung der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen war das KIB-Team vor Ort, um die Bildungsangebote aus inklusiver Perspektive kennenzulernen und auf mögliche Barrieren hin zu betrachten. Der Besuch zeigte, wie wichtig es ist, Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung für möglichst viele Menschen zugänglich zu gestalten.

Wie kann Erinnerungskultur noch zugänglicher und inklusiver gestaltet werden? Mit dieser Frage hat sich das Kompetenzzentrum Inklusive Bildung Sachsen-Anhalt (KIB) bei einem Besuch in der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen am 24. März 2026 beschäftigt. Auf Einladung der Gedenkstätte war das gesamte KIB-Team vor Ort, um die Bildungsangebote aus inklusiver Perspektive kennenzulernen und mit Blick auf Barrieren und mögliche Weiterentwicklungen zu reflektieren.

Dem Termin in Gardelegen war bereits ein erstes Treffen auf dem Campus in Stendal vorausgegangen. Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe hatte das KIB kontaktiert, weil sie ihre pädagogischen Angebote mittelfristig noch inklusiver gestalten möchte. Hintergrund ist unter anderem, dass zunehmend auch Förderschulklassen oder Bewohnergruppen der Lebenshilfe die Gedenkstätte besuchen.

Vor diesem Hintergrund wurde das KIB-Team eingeladen, die Gedenkstätte vor Ort zu besichtigen und die bestehenden Angebote aus der Perspektive von Expertinnen und Experten in eigener Sache in den Blick zu nehmen. Ziel war es, mögliche Barrieren zu erkennen, Zugänglichkeit zu prüfen und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen, wie Erinnerung und historisch-politische Bildung für noch mehr Menschen zugänglich gemacht werden können.

Umfangreiche Einblicke in Bildungsarbeit, Gelände und Ausstellung

Während des rund viereinhalbstündigen Besuchs erhielten die KIB-Bildungsfachkräfte und das Team einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Gedenkstätte. Vorgestellt wurden unter anderem die pädagogischen Angebote und Workshopformate. Darüber hinaus wurde das Außengelände gemeinsam angeschaut, es gab Hintergrundinformationen zur Geschichte des Ortes, und abschließend wurde die Ausstellung ausführlich besichtigt.

Begleitet wurde der Besuch von Jacob Beuchel, pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte, und Stefan Winzer, Leiter der Gedenkstätte. Beide vermittelten die historischen Hintergründe mit großer Offenheit, viel Engagement und beeindruckendem Fachwissen. Auch komplexe Zusammenhänge wurden verständlich erklärt, Nachfragen wurden ausführlich beantwortet, und in der gemeinsamen Reflexion wurde deutlich, dass die Perspektiven des KIB ausdrücklich erwünscht sind.

Ein Ort des Erinnerns an ein Verbrechen der NS-Zeit

Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe erinnert an das Massaker von Gardelegen. Am 13. April 1945 wurden dort 1.016 KZ-Häftlinge aus vielen europäischen Ländern in einer Feldscheune ermordet. Heute ist die Gedenkstätte ein internationaler Erinnerungs-, Informations- und Begegnungsort. Sie verbindet Gedenken, historisches Lernen und Bildungsarbeit an einem Ort, der in besonderer Weise für die Verbrechen des Nationalsozialismus steht.

Gerade deshalb kommt der Frage nach Zugänglichkeit und Teilhabe hier eine besondere Bedeutung zu. Erinnerungskultur sollte möglichst vielen Menschen offenstehen. Dazu gehört nicht nur bauliche Barrierefreiheit, sondern auch die Frage, wie Inhalte vermittelt werden und welche Zugänge unterschiedliche Besucherinnen und Besucher benötigen.

Moderne Ausstellung und Offenheit für weitere Schritte

Besonders eindrücklich war für das KIB-Team auch die Ausstellung selbst. Sie ist modern gestaltet, klar aufgebaut und eröffnet einen gut nachvollziehbaren Zugang zu einem historischen Geschehen, das schwer auszuhalten ist. Gerade an einem solchen Ort ist eine sensible, verständliche und zugängliche Vermittlung von großer Bedeutung.

Im Rahmen des Besuchs wurde außerdem deutlich, dass die Gedenkstätte bereits wichtige Voraussetzungen für Barrierefreiheit geschaffen hat. Das Gelände und die Ausstellungsräume sind barrierefrei zugänglich, ein barrierefreies WC ist ebenfalls vorhanden. Gleichzeitig zeigte sich das Team der Gedenkstätte in der abschließenden Auswertung sehr interessiert an weiteren Anregungen dazu, wie Zugänglichkeit und Teilhabe künftig noch stärker mitgedacht und umgesetzt werden können.

Ein wichtiges Signal für inklusive Bildungsarbeit

Für das KIB ist die Einladung nach Gardelegen ein starkes Zeichen. Dass eine Gedenkstätte und ein Ort historisch-politischer Bildung aktiv auf das Kompetenzzentrum zugeht und die Expertise von Menschen mit Behinderungen in die Weiterentwicklung der eigenen Angebote einbezieht, zeigt, dass Teilhabe und Barrierefreiheit in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen stärker in den Fokus rücken.

Der Besuch hat aus Sicht des KIB deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Zugänglichkeit nicht nur baulich, sondern auch in der pädagogischen Vermittlung mitzudenken. Genau an dieser Stelle bringt das Kompetenzzentrum seine Erfahrungen ein: mit Bildungsfachkräften als Expertinnen und Experten in eigener Sache und mit dem Ziel, Teilhabe in Bildung und Gesellschaft ganz praktisch mitzugestalten.

Das KIB bedankt sich herzlich für die Einladung, die große Offenheit und den intensiven Austausch vor Ort. Die Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe macht deutlich, wie gewinnbringend es ist, wenn Einrichtungen Inklusion aktiv mitdenken und die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen gezielt einbeziehen.