Die Vielfalt der Einsamkeit: KIB beteiligt sich am Thementag im Theater der Altmark

Beim Thementag „Die Vielfalt der Einsamkeit“ im Theater der Altmark brachte das KIB die Perspektive von Menschen mit Behinderungen in die Debatte ein und machte deutlich, dass Einsamkeit nicht nur ein Thema des Alters ist, sondern auch dort entsteht, wo Barrieren Teilhabe verhindern.

Vier Bildungsfachkräfte sitzen auf einer Theaterbühne

Vier Kolleg:innen des KIB gaben einen persönlichen Einblick in das Thema "Einsamkeit bei Menschen mit Behinderung"

Wie entsteht Einsamkeit, wen betrifft sie und was kann ihr entgegenwirken? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 14. April 2026 der Thementag „Die Vielfalt der Einsamkeit“ im Theater der Altmark. Auch das Kompetenzzentrum Inklusive Bildung Sachsen-Anhalt war mit einem eigenen Beitrag vertreten.

Einsamkeit ist ein Thema, das in gesellschaftlichen Debatten oft vor allem mit dem Alter verbunden wird. Der Thementag „Die Vielfalt der Einsamkeit“ zeigte jedoch, dass das Thema deutlich breiter betrachtet werden muss. Das Programm griff unterschiedliche Perspektiven auf und verband wissenschaftliche, soziale, kulturelle und persönliche Zugänge miteinander. Auf dem Tagesprogramm standen unter anderem Beiträge zu Unterstützungsangeboten in der Altmark, zu Einsamkeit im Alter, zu queeren Perspektiven im Alter sowie zu den Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen. Ergänzt wurde der Infotag durch einen „Markt der Möglichkeiten“, eine szenische Lesung des Monologs Sibirien von Felix Mitterer sowie eine abschließende Diskussion.

Auch das KIB brachte seine Perspektive in die Veranstaltung ein. Unter dem Titel „Einsam durch Barrieren? – Menschen mit Behinderungen berichten über ihre Teilhabe-Erfahrungen“ machten Kolleg:innen des Kompetenzzentrums deutlich, dass Einsamkeit nicht nur ein Thema des höheren Lebensalters ist. Vier Kolleg:innen gaben persönliche Einblicke und sprachen darüber, wie Barrieren, Ausschlüsse und fehlende Teilhabe dazu beitragen können, dass Menschen mit Behinderungen sich isoliert fühlen. Damit wurde eine Perspektive sichtbar, die in Debatten über Einsamkeit noch immer zu selten mitgedacht wird.

Gerade für Menschen mit Behinderungen entsteht Einsamkeit häufig nicht zufällig, sondern im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Bedingungen. Wenn Räume nicht barrierefrei sind, Informationen nicht zugänglich aufbereitet werden oder Begegnung und Mitbestimmung nicht selbstverständlich ermöglicht werden, hat das Folgen für soziale Teilhabe. Einsamkeit ist dann nicht nur eine individuelle Empfindung, sondern auch Ausdruck von Ausschluss. Der Beitrag des KIB machte deutlich, dass über Einsamkeit deshalb nicht losgelöst von Fragen nach Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe gesprochen werden kann.

Einen weiteren wichtigen Akzent setzte Prof. Matthias Morfeld, Hochschule Magdeburg-Stendal und wissenschaftlicher Leiter des KIB, mit seinem Vortrag „Kann man Einsamkeit messen? So einsam ist die Altmark.“ Darin wurde die Frage aufgegriffen, wie Einsamkeit wissenschaftlich erfasst werden kann und wie sich das Thema regional beschreiben lässt. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, dass Einsamkeit und Alleinsein nicht einfach gleichgesetzt werden können. Entscheidend ist der Unterschied zwischen sozialer und emotionaler Einsamkeit. Menschen können Kontakte haben und dennoch das Gefühl erleben, innerlich nicht verbunden zu sein.

Gerade diese unterschiedlichen Zugänge machten den Thementag so wertvoll, da sich wissenschaftliche Einordnungen, persönliche Erfahrungsberichte, soziale Praxis und kulturelle Impulse ergänzten. So wurde sichtbar, wie vielschichtig das Thema Einsamkeit ist und wie wichtig es ist, verschiedene Lebensrealitäten in den Blick zu nehmen.

Wir danken dem Theater der Altmark, dem Johanniter Krankenhaus Stendal und allen weiteren Beteiligten für die Organisation dieses vielseitigen und wichtigen Thementags sowie für die Möglichkeit, unsere Perspektive in das Programm einzubringen.